ökumenisches Fest mit Bischof Stephan Ackermann und Präses Thorsten Latzel:300 Jahre Wegkreuz zwischen Kastellaun und Uhler: Zeichen der sichtbaren Einheit


Es war ein großes ökumenisches Fest, dass am Wegekreuz zwischen Kastellaun und Uhler gefeiert wurde. Wo vor 300 Jahren erstmals ein Kreuz aufgestellt wurde, was dann für viele Jahre zu einem Streit zwischen den christlichen Konfessionen führen sollte, sangen und beteten nun rund 200 Katholiken und Protestanten gemeinsam als Zeichen ökumenischer Verbundenheit. Mit dabei auch der Trierer Bischof Stefan Ackermann und der rheinische Präses Thorsten Latzel.
„Das ist hier wirklich ein ganz wichtiges Fest und ein schöner Tag, denn heute wollen wir keine Kreuze mehr absägen, sondern nun sind wir gemeinsam auf dem Weg aufeinander zu“, betonte Präses Latzel. Und auch Bischof Ackermann machte deutlich: „Wir gehen heute den Weg gemeinsam. Was mal ein Zeichen der Abgrenzung war, hat sich jetzt zu einem Weg einer sichtbaren Einheit entwickelt. Denn Jesus verbindet uns alle.“
„Wir haben uns von Uhler und von Kastellaun aus auf den Weg gemacht, um hier zu feiern“, freute sich Pfarrerin Frauke Flöth-Paulus von der evangelischen Kirchengemeinde Zehn Türme. „Auch vor 300 Jahren kamen sicher viele Menschen hierher, um dieses neue Kreuz zu sehen, dass damals von katholischen Bürgern aus Kastellaun aufgestellt wurde“, betonte Kaplan Christian Jager von der katholischen Pfarrei Kastellaun Heilige Familie.
„Wobei dieses Kreuz, dass jetzt hier steht, natürlich nicht 300 Jahre alt ist, denn das erste Kreuz wurde schon wenige Tage später von Protestanten wieder entfernt, es begann der Streit zwischen Evangelischen und Katholischen, ob hier ein Kreuz stehen durfte. Mehrfach wurde es zerstört und wieder errichtet, bis ein Gericht entschied, dass es hier stehen darf“, so Pfarrerin Flöth-Paulus. „Erst in den vergangenen Jahrzehnten kehrte Frieden ein und heute stehen wir gemeinsam, Kastellauner und Uhlerer, Evangelische und Katholische am Kreuz und feiern zusammen den, der unsere gemeinsame Mitte ist: Den dreieinigen Gott“, betonte Kaplan Jager.
„Heute sind wir doch ein großes Stück weiter als vor 300 Jahren“, freute sich Bischof Stephan Ackermann. Dass ein Kreuz zersägt werde, sei ja eigentlich unglaublich, meinte er und betonte: „Wenn hier ein Heiligenhäuschen mit Heiligen errichtet worden wäre, das hätte ich ja noch als Grund für Spannungen verstanden. Aber ein Streit um ein Kreuz, was uns wirklich verbindet, das ist schon verstörend.“ Doch damals sei es wohl um Machtanspruch gegangen und darum, Plätze zu besetzen. „Heute wollen wir gemeinsam gehen und nicht Positionen besetzen“, machte der Bischof deutlich. „Das ist wie Verwandtschaft, die man sich nicht aussucht, sondern die man hat“, gab Stephan Ackermann schmunzelnd zu bedenken und fügte hinzu: „Wir haben gelernt, dass Einheit nicht bedeutet, wenn möglichst alle gleich sind ohne Unterschiede, sondern dass es wichtig ist, die Unterschiedlichkeit zu respektieren und den Reichtum der anderen zu erkennen.“
„Wir sind Leib Christi. Als Christen müssen wir nicht eins werden, wir sind es schon. Eingebunden in eine große Gemeinschaft mit anderen“, unterstrich dies auch Präses Thorsten Latzel. Es gebe Unterschiede. „Ich schätze vieles an der katholischen Kirche, wie die reiche Liturgie oder die Ausdrucksformen des Glaubens wie Prozessionen. Und ich freue mich über unsere Posaunenchöre, dass Frauen bei uns Pfarrerinnen werden können, das sind Schätze der evangelischen Kirche“, gab er zu bedenken. Doch dies könne dennoch gegenseitig bereichern, war der Präses überzeugt, allerdings betonte er auch: „In der Ökumene könnten wir durchaus auch noch eine Schippe drauflegen. Denn es ist die auch Erfahrung der Sichtbarkeit.“ Damit traf er sich jedenfalls mit Bischof Stephan Ackermann: „Diese Sichtbarkeit des Gemeinsamen gehört dazu. Und da können wir sicher noch einiges machen“, gab der Trierer Bischof in Uhler zu bedenken.
Am Wegekreuz zwischen Uhler und Kastellaun wurde diese Gemeinsamkeit an diesem Tag jedenfalls deutlich sichtbar. Bei vielen Gesprächen nach dem ökumenischen Gottesdienst, der vom Posaunenchor Kastellaun-Uhler musikalisch umrahmt wurde, beim gemeinsamen Feiern. An dem Ort, der vor 300 Jahren noch zum Streit führte und nun Katholiken und Protestanten zusammenführte. Und vielleicht erfüllt sich so auch ein Wunsch von Bischof Ackermann: „Dieses Kreuz kann wirklich ein Ort der Einkehr, der ökumenischen Gemeinschaft und des gemeinsamen Gebetes werden, der auch Beachtung findet.“
